Am 11. November 2026, nur noch sechs Tage von heute entfernt, ziehen in Deutschland wieder tausende Kinder mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen – und bei immer mehr Martinsumzügen steckt darin längst keine echte Kerze mehr, sondern ein kleines LED-Licht. Feuerwehren und Kita-Verbände raten seit Jahren verstärkt dazu, offene Flammen aus den oft aus Transparentpapier gefertigten Laternen zu verbannen, weil genau diese Kombination aus brennbarem Material, Wind und vielen dicht gedrängten Kindern ein wiederkehrendes Brand- und Verletzungsrisiko ist.
Warum die Kerze in der Laterne so riskant ist
Eine klassische Martinslaterne besteht aus dünnem, meist buntem Transparentpapier, das um ein Gerüst aus Draht oder Holzstäben gespannt ist. Genau dieses Material ist leicht entflammbar – gerät die Kerzenflamme bei einer unachtsamen Bewegung, einem Windstoß oder beim Absenken der Laterne zu nah an die Papierwand, kann sie in Sekunden Feuer fangen. Bei einem Umzug mit vielen Kindern auf engem Raum potenziert sich dieses Risiko: Stolpert ein Kind, kippt die Laterne, oder berühren sich zwei brennende Laternen beim Vorbeigehen, ist der Schreck schnell da.
Hinzu kommt die Jahreszeit selbst: Anfang bis Mitte November ist es nach Sonnenuntergang bereits empfindlich kalt, häufig windig und die Umzüge finden im Dunkeln statt – Bedingungen, unter denen eine offene Flamme deutlich schwerer zu kontrollieren ist als an einem lauen Sommerabend.
Was Feuerwehren und Erzieher:innen konkret empfehlen
LED statt echter Kerze
Der mit Abstand am häufigsten genannte Tipp lautet: batteriebetriebene LED-Lichter statt einer echten Wachskerze verwenden. Kleine LED-Teelichter oder spezielle Laternen-LEDs mit Flackereffekt gibt es in Drogerien und Baumärkten für wenige Euro, sie geben ein warmes, kerzenähnliches Licht ab, werden aber nicht heiß und können kein Papier entzünden. Viele Kindergärten und Grundschulen schreiben mittlerweile LED-Licht für den eigenen Martinsumzug sogar verbindlich vor.
Richtig halten und Abstand einplanen
Wer dennoch eine echte Kerze nutzt, sollte die Laterne stets aufrecht und mit ausgestrecktem Arm vor dem Körper halten – nie seitlich kippen oder über Kopfhöhe schwenken. Zwischen den Laternen der Kinder sollte beim Gehen ausreichend Abstand bleiben, damit sich Flammen und Papierwände nicht berühren können. Erwachsene sollten jüngere Kinder auf dem letzten Stück des Umzugs an der Hand führen, statt sie die Laterne allein balancieren zu lassen.
Richtiges Material und stabiler Stab
Beim Kauf oder Basteln lohnt sich ein Blick auf das Papier: Flammhemmend imprägniertes Transparentpapier brennt zwar nicht gar nicht, aber deutlich langsamer ab als unbehandeltes Papier und gibt im Ernstfall mehr Reaktionszeit. Der Laternenstab sollte lang genug sein, damit die Laterne beim Tragen einen sicheren Abstand zu Kleidung und Haaren hat – gerade bei Kapuzen und Schals ist das wichtig.
Woher der Brauch mit der Laterne kommt
Der Martinsumzug erinnert an den heiligen Martin von Tours, der der Legende nach im 4. Jahrhundert seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Seit dem 19. Jahrhundert ist es vielerorts in Deutschland Brauch, am Abend des 11. November mit selbst gebastelten Laternen zu ziehen, oft begleitet von einem Laternenumzug durch Kita oder Grundschule, gefolgt von einem Martinsfeuer und der Martinsgans am Folgetag. Gerade weil der Termin jedes Jahr auf denselben Tag fällt, lässt sich die Sicherheitsvorbereitung gut im Voraus planen, statt sie am Nachmittag des Umzugs in Eile zu erledigen.
Laterne sicher selbst basteln
Eine Laterne mit LED-Licht lässt sich genauso einfach basteln wie die klassische Variante mit Kerze – nur eben ohne das Brandrisiko. So geht es in wenigen Schritten:
- Gerüst vorbereiten: Einen fertigen Laternenrahmen aus dem Bastelladen verwenden oder aus biegsamem Draht und etwas Pappe selbst formen.
- Papier bekleben: Transparentpapier in der gewünschten Farbe zuschneiden und mit Bastelkleber oder doppelseitigem Klebeband außen auf das Gerüst kleben. Zwischenräume lassen das Licht später schön durchscheinen.
- Motiv gestalten: Mit Filzstift, ausgeschnittenen Figuren oder Transparentpapier-Collage ein Motiv auftragen – Sterne, Laub oder Tiere sind beliebte Herbstmotive.
- LED-Licht einsetzen: Ein kleines LED-Teelicht oder eine Laternen-LED mit Clip oder Sockel in die Mitte des Gerüsts einsetzen, statt eines Kerzenhalters.
- Stab befestigen: Den Laternenstab stabil am Gerüst fixieren, idealerweise mit einer kleinen Schlaufe oder Klammer zum sicheren Einhängen.
Beim Kauf von LED-Teelichtern lohnt sich ein Blick auf das Batteriefach: Modelle mit einem verschraubten oder verklebten Fach sind für kleine Kinder sicherer, weil sich die oft gefährlich kleinen Knopfzellen nicht einfach herausnehmen und verschlucken lassen. Wer die Laterne schon Tage vorher bastelt, sollte das Licht einmal testweise für die geplante Umzugsdauer brennen lassen – gerade günstige Billigbatterien halten bei Kälte mitunter kürzer durch als erwartet, und eine Ersatzbatterie im Elternrucksack verhindert, dass die Laterne mitten im Umzug dunkel bleibt.
Checkliste für den Martinsumzug 2026
- LED-Licht statt echter Kerze in der Laterne
- Laterne aufrecht und mit Abstand zu Kleidung tragen
- Genügend Abstand zu anderen Laternen beim Gehen einhalten
- Warme, aber nicht zu weite Kleidung ohne lose Schals direkt am Gesicht
- Bei echter Kerze: flammhemmendes Papier und ständige Aufsicht durch Erwachsene
- Ersatz-Leuchtmittel oder Ersatzbatterie griffbereit haben
Wer zusätzlich zur Laterne an diesem Abend offene Kerzen oder Grablichter im Garten oder auf dem Fensterbrett stehen hat, sollte dieselbe Vorsicht walten lassen – gerade im windigen November ist das Risiko dort ähnlich real. Und weil die dunkle Jahreszeit ohnehin Anlass ist, Sicherheitsthemen im Haushalt durchzugehen, lohnt sich jetzt auch gleich der Blick auf den eigenen Rauchmelder – ein kurzer Test dauert nur wenige Sekunden.
Häufige Fragen zur Martinslaterne
Ist eine LED-Laterne genauso schön wie eine mit echter Kerze?
Ja – moderne LED-Teelichter mit Flackereffekt kommen dem Schein einer echten Flamme mittlerweile sehr nahe, ohne dass Hitze oder eine offene Flamme entstehen. Für Kinderaugen ist der Unterschied beim Leuchten kaum wahrnehmbar.
Was tun, wenn eine Laterne trotzdem Feuer fängt?
Laterne sofort loslassen oder auf den Boden fallen lassen, keinesfalls mit der Hand löschen versuchen. Mit einer Jacke oder Decke ersticken oder, falls vorhanden, mit Wasser löschen. Bei einem Umzug sollten Erwachsene vorab wissen, wo sich der nächste Eimer Wasser oder Feuerlöscher befindet.
Ab welchem Alter dürfen Kinder eine Laterne mit echter Kerze tragen?
Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze, Kindergärten und Veranstalter empfehlen aber häufig, bei Kindern unter etwa sechs Jahren grundsätzlich auf LED-Licht zu setzen und erst älteren Kindern unter direkter Aufsicht eine echte Kerze anzuvertrauen.
Wo bekomme ich flammhemmendes Laternenpapier?
Entsprechend ausgezeichnetes Transparentpapier gibt es in gut sortierten Bastelläden und größeren Drogerien, meist mit einem Hinweis wie „schwer entflammbar" oder „flammhemmend" auf der Verpackung.