Mit Mitte Oktober beginnt in weiten Teilen Deutschlands traditionell die Herbststurm-Saison: Die Temperaturunterschiede zwischen warmer Meeresluft und kalter Polarluft nehmen zu, und genau das treibt die Tiefdruckgebiete an, die in den kommenden Wochen über das Land ziehen. Wer jetzt noch wartet, riskiert umgekippte Gartenmöbel, lose Dachziegel und im schlimmsten Fall Schäden an der Fassade. Die gute Nachricht: Mit ein paar gezielten Handgriffen am Wochenende lässt sich das Risiko deutlich senken.
Warum der Oktober zur Sturm-Hochsaison wird
Meteorologisch ist der Zeitraum von Oktober bis Januar in Mitteleuropa die Hauptsaison für Herbst- und Winterstürme. Grund ist der sogenannte Jetstream, ein Starkwindband in der oberen Atmosphäre, das im Herbst durch die wachsenden Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd an Fahrt aufnimmt und Tiefdruckgebiete von West nach Ost über den Atlantik und Mitteleuropa schickt. Das bedeutet nicht, dass jede Woche ein Orkan droht – aber die Wahrscheinlichkeit für Sturmböen steigt ab Oktober spürbar, und genau deshalb lohnt sich eine Vorbereitung, bevor der erste Wetterwarnhinweis auf dem Handy aufploppt.
Garten sturmfest machen
Der Garten ist meist der Bereich, in dem Sturmschäden am schnellsten passieren – und am einfachsten zu vermeiden sind.
- Gartenmöbel und Sonnenschirme: Leichte Stühle, Tische und vor allem Sonnenschirme sollten bei angekündigtem Sturm ins Haus, in die Garage oder zumindest flach auf den Boden gelegt und beschwert werden.
- Trampoline: Ein nicht verankertes Trampolin kann bei starkem Wind mehrere Meter weit fliegen. Bodenanker oder ein Umdrehen auf die Seite reduzieren die Angriffsfläche erheblich.
- Pflanzkübel und Blumentöpfe: Große, freistehende Kübel am besten näher an die Hauswand rücken, wo der Wind weniger Angriffsfläche hat.
- Lose Gegenstände: Gießkannen, Gartenwerkzeug, Mülltonnen und Spielzeug gehören bei Sturmwarnung grundsätzlich weggeräumt – sie werden sonst schnell zu Geschossen.
- Bäume und Äste: Abgestorbene oder morsche Äste in Hausnähe lassen sich jetzt noch in Ruhe absägen lassen, bevor der Wind das für dich erledigt – mit entsprechend unkontrolliertem Ergebnis.
Dach und Fassade prüfen
Ein Blick aufs Dach kostet wenig Zeit, kann aber teure Folgeschäden verhindern. Vom Boden aus lässt sich mit einem Fernglas meist schon erkennen, ob einzelne Dachziegel verrutscht oder beschädigt sind. Zusätzlich lohnt sich die Kontrolle folgender Punkte:
- Dachrinnen und Fallrohre: Lose Halterungen oder bereits mit Laub verstopfte Rinnen erhöhen bei Starkregen in Kombination mit Sturm das Risiko für überlaufendes Wasser. Wie du Dachrinnen rechtzeitig reinigst, erklären wir im separaten Ratgeber zur Herbst-Dachrinnenreinigung.
- Antennen und Satellitenschüsseln: Halterungen sollten fest sitzen und keine Spiel haben – im Zweifel von einer Fachfirma nachziehen lassen.
- Fassadenverkleidungen: Lose Verblendungen, Fensterläden oder Markisen am besten einklappen beziehungsweise sichern, bevor der Wind sie als Hebel benutzt.
- Dachfenster: Prüfen, ob sich Dachfenster komplett schließen lassen und die Dichtungen noch intakt sind.
Bei sichtbaren Schäden oder Unsicherheit gilt: nicht selbst aufs Dach steigen, sondern einen Dachdecker-Fachbetrieb beauftragen. Die Gefahr, bei Wind und nasser Dachfläche abzurutschen, ist deutlich höher als der vermeintlich gesparte Handwerkerlohn wert ist.
Fenster und Türen sturmsicher machen
Auch an Fenstern und Türen lässt sich mit wenig Aufwand viel erreichen. Undichte Fenster lassen bei Sturm nicht nur kalte Luft, sondern mitunter auch Feuchtigkeit ins Haus – wie du Fenster gegen Zugluft abdichtest, liest du in unserem Ratgeber zum Fenster abdichten. Zusätzlich hilfreich bei Sturmwarnung:
- Fenster und Türen vollständig schließen und verriegeln, auch im Keller und Dachgeschoss.
- Rollläden herunterlassen – sie schützen die Scheiben zusätzlich vor herumfliegenden Ästen oder Gartenmöbeln.
- Gekippte Fenster bei Sturmwarnung grundsätzlich schließen, auch wenn es kurz unpraktisch erscheint.
Versicherungsschutz jetzt prüfen, nicht erst im Schadensfall
Viele Hausbesitzer merken erst nach einem Sturmschaden, dass ihre Wohngebäudeversicherung bestimmte Schäden gar nicht abdeckt. Klassische Wohngebäudeversicherungen übernehmen in der Regel Sturmschäden ab Windstärke 8, oft allerdings nur an fest mit dem Gebäude verbundenen Teilen wie Dach, Fassade oder fest installierten Markisen. Schäden an Gartenmöbeln, Trampolinen oder Gartenhäusern sind häufig über die Hausratversicherung abgedeckt – vorausgesetzt, diese schließt auch Schäden außerhalb der Wohnung mit ein. Ein kurzer Blick in die eigene Police im Oktober erspart im Ernstfall viel Ärger. Wer sich unsicher ist, kann beim eigenen Versicherer gezielt nachfragen, ob Elementarschäden wie Starkregen oder Überschwemmung infolge eines Sturms mitversichert sind – das ist nämlich keineswegs automatisch der Fall und oft nur gegen Aufpreis eingeschlossen.
Checkliste zum Ausdrucken
- Gartenmöbel, Sonnenschirme und Trampolin sichern oder wegräumen
- Pflanzkübel näher an die Hauswand stellen
- Lose Gegenstände im Garten und auf dem Balkon wegräumen
- Dach und Dachrinnen auf lose Teile prüfen (vom Boden aus)
- Antennen- und Satellitenschüssel-Halterungen kontrollieren
- Fenster, Dachfenster und Türen vollständig schließen
- Rollläden herunterlassen
- Morsche Äste in Hausnähe rechtzeitig fachgerecht entfernen lassen
Vorsicht bei diesen Fehlern
Ein Fehler, der häufiger vorkommt als man denkt: Fenster "zur Belüftung" gekippt zu lassen, weil ein Sturm ja "erst später am Abend" erwartet wird. Windböen kündigen sich aber nicht zuverlässig an – ein plötzlicher Windstoß kann ein gekipptes Fenster aus der Verankerung reißen. Ebenso riskant ist es, bei bereits aufziehendem Sturm noch schnell selbst aufs Dach zu steigen, um einen losen Ziegel zu befestigen. Das sollte ausschließlich bei ruhigem Wetter und im Zweifel von einer Fachkraft erledigt werden.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Windstärke sollte ich Gartenmöbel sichern?
Spätestens ab einer angekündigten Windstärke 7 (Beaufort-Skala, entspricht steifem Wind ab etwa 50 km/h) sollten leichte Gartenmöbel, Sonnenschirme und Trampoline gesichert werden. Bei offiziellen Sturmwarnungen der Wetterdienste gilt das ohnehin als Pflichtprogramm.
Wer haftet, wenn durch meinen Sturmschaden das Nachbarhaus beschädigt wird?
Grundsätzlich haftet, wer eine erkennbare Gefahr nicht beseitigt hat – zum Beispiel einen bereits sichtbar losen Dachziegel oder ein nicht gesichertes Trampolin. Bei einem plötzlichen, nicht vorhersehbaren Sturmereignis („höhere Gewalt") entfällt die Haftung meist. Im Zweifel lohnt sich ein Blick in die eigene Wohngebäude- beziehungsweise Haftpflichtversicherung.
Reicht es, das Dach nur von innen (vom Dachboden aus) zu kontrollieren?
Ein Blick vom Dachboden aus kann zusätzliche Hinweise liefern, etwa auf Feuchtigkeitsflecken, ersetzt aber nicht die äußere Kontrolle. Viele lose Ziegel oder beschädigte Dachpfannen sind von außen deutlich früher erkennbar als von innen.
Was mache ich, wenn während eines Sturms bereits Schäden auftreten?
Bei akuter Gefahr – etwa einem abgedeckten Dach oder einem umgestürzten Baum auf dem Grundstück – zunächst die Feuerwehr (112) verständigen, wenn Personen gefährdet sind. Schäden möglichst fotografisch dokumentieren, bevor provisorische Reparaturen vorgenommen werden, das erleichtert die spätere Schadensmeldung bei der Versicherung.
Fazit
Die Herbststurm-Saison lässt sich nicht verhindern, die meisten Schäden an Haus und Garten aber schon. Ein konzentrierter Rundgang übers Grundstück – Garten, Dach, Fenster – kostet selten mehr als eine Stunde und reduziert das Risiko für teure Überraschungen erheblich. Wer die Checkliste einmal im Oktober durchgeht, ist für die gesamte Sturmsaison bis ins neue Jahr hinein deutlich besser aufgestellt.